Wenn wir über pflegerische Aspekte nachdenken, so können wir gerade im Umgang mit unseren Hausgästen erkennen, dass Pflege und Betreuung eng verzahnt sind. Hier sind die folgenden Grundsätze besonders wichtig:
Die Beziehungsarbeit mit unseren Hausgästen ist von tragender Bedeutung. In Beziehung treten heißt für uns zunächst, den Menschen dort abzuholen, wo er steht.
Wir versuchen, das Selbstwertgefühl unserer Hausgäste zu erhalten oder wiederherzustellen und die Kommunikation zu verbessern, wo es möglich ist.
Wir richten uns individuell nach dem aktuellen Befinden und dem Krankheitsstadium des einzelnen Hausgastes. Es ist uns sehr wichtig, die noch vorhandenen Ressourcen des Einzelnen wahrzunehmen und in die tägliche Pflege mit einzubeziehen. Wir vermeiden jegliche Überforderung des Betroffenen. Für uns steht nicht nur die reaktivierende Förderung, sondern ebenfalls eine einfühlsame und schützende Begleitung, die mehr Lebensqualität ermöglicht, im Vordergrund unseres pflegerischen Bemühens.
Wir sehen nicht nur Teilaspekte bestimmter Situationen, sondern wir erfassen die Gesamtsituation des Menschen. Wir bringen unseren Hausgästen sowie deren Angehörigen positive Wertschätzung und Akzeptanz entgegen. Es ist uns wichtig, individuell mit Eigenarten und Besonderheiten des Einzelnen umgehen zu lernen und diese annehmen zu können. Wir knüpfen die Akzeptanz nicht an bestimmte Bedingungen, sondern versuchen, einzelne Verhaltensweisen mit Geduld zu verstehen.
Der Kern unseres pflegerischen Tuns ist die Gestaltung von Beziehungen. Dazu müssen wir so kommunizieren, dass es den Möglichkeiten des Betroffenen entspricht. Insbesondere durch nonverbale Kommunikationsformen vermitteln wir Beruhigung und Sicherheit, ein Gefühl des Zuhauseseins.
Unsere Hausgäste sind eingebunden in ein soziales Umfeld, sie werden wahrgenommen und können wahrnehmen. Es ist immer wieder wunderbar zu sehen, wie intensive Gefühle und Freundschaften in den einzelnen Betreuungsgruppen entstehen.
Mit der Pflegeanamnese und der Biographie bei der Aufnahme unserer Hausgäste machen wir uns das erste Bild“ des Menschen und leiten hieraus die entsprechenden Maßnahmen ab.
Der Hausgast erlebt dieses Interesse an seiner Person sehr positiv. Der persönliche Kontakt zwischen ihm und seinen Bezugspersonen wird intensiver, menschliche Anteilnahme erfahrbar. Das Ernstnehmen und Respektieren seiner Persönlichkeit vermittelt Würde und Wertschätzung und stärkt somit das Selbstwertgefühl.
Natürlich ist auch die Erhebung des Bogens wie die Anamnese ein laufender Prozess. Nicht immer können oder wollen Angehörige direkt alle Daten angeben. Manchmal brauchen die Dinge ihre Zeit...
Bei der Arbeit mit den biographischen Daten ist besonders die Sensibilisierung der Wahrnehmung des Hausgastes durch die Pflegefachkräfte von besonderer Bedeutung. Förderung und Stärkung von Selbstverantwortung und Selbständigkeit ist in unserem Tun nur "mit" und nicht "über" den Hausgast zu realisieren.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der biographischen Orientierung ist die Möglichkeit des Erfassens und Verstehens von Vorlieben, Ressourcen und Verhaltensweisen.